§. 16.

Kanal von Alexandria nach Kanobus, mit den Orten Eleusis und Schedia. Schmale Landzunge zwischen dem Kanale und Meere bis Kanobus, auf welcher Klein-Taposiris, und vormals Thonis.

Aus dem Kanobischen Thore gehend hat man zur Rechten den mit dem See verbundenen Kanal nach Kanobos. Auf diesem fährt man sowohl nach Schedia zum grossen Flusse, als nach Kanobos, zuerst jedoch nach Eleusis. Dieser Wohnort liegt unweit Alexandreia und Nikopolis am eigentlichen Kanobischen Kanale, und hat Speisesäle und Schauzimmer für schwelgende Männer und Frauen, gewissermassen ein Anfang des Kanobischen Lebens und der dortigen Ausschweifung. Geht man von Eleusis wenig weiter, so begegnet zur Rechten der nach Schedia abführende Kanal; Schedia aber liegt von Alexandreia vier Schoinen oder hundert und zwanzig Stadien entfernt, ein Wohnort gleich einer Stadt. Hier ist der Schifstand für die Barken mit Gemächern, auf welchen die Statthalter das obere Land beschiffen; hier auch das Zollamt für die hinab- und hinaufschiffenden Waaren, wesshalb auch der Strom mit einer schedia oder Schifbrücke überlegt ist, von welcher auch der Ort den Namen hat. Nach dem auf Schedia führenden Kanale aber geht die weitere Fahrt auf Kanobos gleichlaufig mit der Seeküste von Pharos bis zur Kanobischen Mündung. Denn zwischen dem Meere und Kanale erstreckt sich eine schmale Erdzunge, auf welcher nach Nikopolis das kleine Taposeiris liegt, und die Landspitze Zephyrion mit einem Tempel der Arsinoe Aphrodite. Vor Alters soll hier auch eine jenem Könige, welcher Menelaos und Helene gastfreundlich aufnahm, gleichnamige Stadt Thonis gelegen haben; wenigstens spricht der Dichter von Helenens Arzneien so: "Kräftige, die Polydamna ihm gab, Thons Ehegenossin.

§. 17.

Kanobus mit dem Tempel des Serapis.

Kanobos ist eine Stadt, hundert und zwanzig Stadien von Alexandreia, wenn man zu Lande geht, gleichnamig des Menelaos dort gestorbenem Steuermanne. Sie enthält des Sarapis mit hoher Heiligkeit verehrten Tempel, welcher auch Heilungen bewirkt, so dass auch die angesehensten Männer glauben, und entweder selbst für sich, oder Andere für sie, darin schlafen. Einige schreiben auch die Heilungen auf , Andere die Wirkungen der dortigen Orakelträume. Vor Allem aber merkwürdig ist die Menge der von Alexandreia den Kanal hinabfahrenden Lustgesellschaften; denn alle Tage und Nächte ist er gefüllt mit Männern und Weibern, welche [theils] auf den Schiffen Flötenspiel und zügellosen Tanz mit äusserster Ausgelassenheit ausführen, theils in Kanobos selbst am Kanale liegende und für solcherlei Ergötzung und Schwelgerei geeignete Gasthäuser haben.

§. 18.

Küste des Delta von Kanobus bis Pelusium mit den sieben Mündungen des Nils und mehren Nebenarmen. Orte dieser Küste, und zwar zuvörderst die Städte Naukratis, Butus, Sais und Hermopolis.

Nach Kanobos folgt Herakleion, mit einem Tempel des Herakles; dann die Kanobische Mündung und Anfang des Delta. Die Landschaft zur Rechten des Kanobischen Kanals ist der Menelalitische Landgau, nach des ersten Ptolemaios Bruder benamt, keinesweges aber nach dem Helden, wie Einige behaupten, unter andern Artemidoros. Nach der Kanobischen Mündung folgt die Bolbitinische, dann die Sebennytische und die Phatnische, die dritte in Grösse nach den zwei ersten, welche das Delta begrenzen; denn sie trennt sich auch nicht weit von der Spitze gegen das innere Delta. Der Phatnischen sehr nahe ist die Mendesische; dann folgt die Tanitische, zuletzt die Pelusische. Zwischen Diesen aber gibt es noch andere unbedeutendere, gleichsam falsche Mündungen. Zwar haben sämmtliche Mündungen Einfahrt, jedoch nicht bequeme, auch nicht für grosse Schiffe, sondern für Ruderböte, weil sie untief sind und sumpfig. Vorzüglich aber bediente man sich der Kanobischen Mündung wie eines Handelsmarktes, als Alexandreia's Häfen verschlossen waren, wie wir oben sagten. Nach der Bolbitinischen Mündung ragt eine niedrige und sandige Landspitze weit hinaus; sie heisst Agnu-keras, d. i. Weidenhorn. Dann des Perseus Warte und die Veste der Milesier. Denn unter Psammitichos und Kyaxares (Dieser war König der Meder) gelangten mit dreissig Schiffen abfahrende Milesier zur Bolbitinischen Mündung, wo sie landeten und die erwähnte Veste aufmauerten; nachher zum Saitischen Landgau hinaufgeschifft besiegten sie lnaros in Seeschlacht, und baueten die Stadt Naukratis nicht weit oberhalb Schedia. Von der Milesischen Veste gegen die Sebennytische Mündung fortgehend trifft man zwei Sumpfseen, deren einer von der Stadt Butos der Butische heisst. Dann die Stadt Sebennytike, und Sais, des Niederlandes Hauptstadt, in welcher Athena verehrt wird; auch liegt in ihrem Tempel des Psammitichos Grab. Unweit Butos liegt auch Hermopolis auf einer Insel, und in Butos ist ein Orakel Leto's.

§. 19.

Andere Städte im unteren und inneren Delta; unter andern Menden und Busiris, welche letzte eine Bemerkung über die Ungastlichkeit der alten Aegyptier und anderer barbarischer Völker veranlasst.

Im Mittenlande über der Sebennytischen und Phatnischen Mündung ist im Sebennytischen Landgau die Insel und Stadt Xois. Dort liegen auch Hermopolis, Lykupolis und Mendes, wo Pan verehrt wird, und unter den Thieren der Bock, und wo, wie Pindaros sagt, die Böcke sogar sich mit Weibern vermischen: "Beim steilen Geklipp des Meers vor Mendes Und des Neilos äusserstem Horn, wo den Frau'n Die geissbesteigenden Böcke sich vermischen." Unweit Mendes ist auch Diospolis und die Sümpfe umher, und Leontopolis; dann weiter entfernt die Stadt Busiris im Busiritischen Landgau, und Kynospolis. Eratosthenes sagt, zwar sei die Fremdenvertreibung eine allen Barbaren gemeinschaftliche Sitte; den Aigyptiern aber werde sie nur wegen der von Busiris im Busiritischen Landgau gefabelten Sagen angeschuldigt, weil die Späteren dieses Gaues Ungastlichkeit rügen wollten; denn nie, beim Zeus, habe es einen König oder Zwangherrn Busiris gegeben. Hinzugedeutet aber sei auch noch Jenes: "Gen Aigyptos zu gehn, ein Weg so lang und gefährlich." Sehr viel auch habe hierzu beigetragen theils der Hafenmangel, theils dass auch der vorhandene Hafen bei Pharos nicht geöffnet, sondern von räuberischen und den Heranfahrenden nachstellenden Rinderhirten bewacht war. Aehnlicherweise versenkten die Karchedonier das Schif, wenn ein Fremder nach Sardo vorbeifuhr, oder zu den Säulen, wesshalb auch die meisten Nachrichten über die westlichen Länder wenig glaubhaft seien; und auch die Persen führen boshafter Weise fremde Gesandten durch Kreiswege und schwierige Orte.

§. 20 - 21.

Orte von der Mendesischen bis zur Pelusischen Mündung, besonders Tanis und Pelusium. Schwieriger Zugang Aegyptens aus Judäa und Nabatäa. Das dem Delta östliche Land gehört schon zu Arabien.

§. 20.

Den Busiritischen Landgau berührt sowohl der Athribitische als auch der Prosopitische Landgau, in welchem Aphrodite's Stadt. Ueber der Mendesischen und der Tanitischen Mündung ist ein grosser Sumpfsee und der Mendesische Landgau und der Leontopolitische, und die Stadt Aphrodite's, und der Pharbetitische Landgau; dann die Tanitische Mündung, welche einige die Saitische nennen, und der Tanitische Landgau, und in ihm die grosse Stadt Tanis.

 
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